Vorsicht vor teuren Internet-Dialern!
Eigentlich sind sie sowohl für den Anbieter als auch für den Nutzer einer kommerziellen "Mehrwert-Dienstleistung" eine sehr unkomplizierte Methode, die durch die Nutzung entstehenden Kosten abzurechnen – nämlich bequem per Telefonrechnung: Spezielle "Mehrwert-Telefonnummern" und Programme, die solche Nummern anrufen: Dialer. Ein Dialer ist zunächst nichts Anderes als ein Programm, das eine Internet-Verbindung über eine teure 0190- oder 0900-Nummer aufbaut [to dial = wählen (engl.)] und dann dem Anwender darüber Zugang zu der gewünschten Dienstleistung gewährt.
Allerdings haben sehr viele "schwarze Schafe" unter den Anbietern von kostenpflichtigen Internet-Dienstleistungen dafür gesorgt, dass der Begriff Dialer heute -zu Recht- überwiegend negativ besetzt ist. Das Hauptproblem ist: unseriöse Betreiber von Internetseiten, allen voran Anbieter von Erotik-Dienstleistungen, programmierten Dialer, die sich ohne Zutun und ohne explizite Einwilligung des Benutzers auf dessen Rechner installieren. Dies ist beispielsweise durch bekannte und nicht behobene Sicherheitsprobleme in Internet-Browsern, aber auch durch Unachtsamkeit des Benutzers möglich.
Die rechtliche Situation wurde inzwischen durch ein Gesetz geregelt. Eine Dialer-Software muss demnach von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post genehmigt werden. Damit ein Anbieter von solchen Mehrwert- oder auch Premium-Diensten eine Genehmigung für einen Dialer durch die Regulierungsbehörde erhält, muss der Dialer gewisse Kriterien erfüllen, z.B.:
- Bei zeitabhängigen Tarifen dürfen maximal 2,- EUR/Minute kassiert werden.
- Ein Anruf darf höchstens 30,- EUR kosten.
- Eine Verbindung muss nach 60 Minuten getrennt werden.
- Der Kunde muss vor Nutzungsbeginn über die anfallenden Kosten informiert werden.
Obgleich sich die meisten Anbieter, die Dialer einsetzen, heute an diese Vorgaben halten (Ausnahmen gibt es natürlich), bleibt natürlich dennoch ein gewisses Risiko: Dialer werden immer häufiger auch in Bereichen eingesetzt, die hauptsächlich Schüler und Jugendliche ansprechen: Beispielsweise im Bereich Referate, Hausarbeiten, Schüler-Communities, usw. Auch wir haben vor einem solchen Angebot bereits gewarnt.
Die dort (und auf ähnlichen Seiten) eingesetzten Dialer sind per se in der Regel gesetzeskonform, d.h., sie erfüllen die Kriterien, die der Gesetzgeber verlangt: der Benutzer wird vor der Nutzung über die anfallenden Kosten informiert, sie verwenden nur die festgelegten Rufnummerngassen, die anfallenden Kosten übersteigen nicht die erlaubten Maximalwerte. Dennoch ist hier Vorsicht geboten: einige Anbieter nutzen den erlaubten Kostenrahmen vollständig aus. Lädt dann beispielsweise Ihr Kind einige Hausarbeiten oder Referate auf sein Rechner herunter, können schnell hundert Euro oder mehr bis zur nächsten Telefonrechnung zusammenkommen.
Ob und in wie fern juristisch gegen diese -moralisch sehr "fragwürdigen"- Angebote vorgegangen werden kann, ist unklar. Die Verbraucherzentrale Berlin hat allerdings bereits gegen einen Anbieter einer solchen dialer-finanzierten Hausaufgaben-Webseite erfolgreich geklagt. Der Verbraucher-Newsletter "www.verbrauchernews.de" hat eine Liste von weiteren Webseiten zusammengestellt, die ebenfalls Schüler und Jugendliche als Zielgruppe haben und mittels Dialer eine Verbindung zu einer Mehrwert-Telefonnummer aufbauen.
Ganz abgesehen von der rechtlichen Bewertung dieser Angebote stellt sich natürlich die Frage, wie Sie sich und Ihre Kinder ganz konkret davor schützen können, in diese Kostenfalle zu tappen:
- Ganz wichtig: Informieren Sie sich über diese Angebote und erklären Sie Ihren Kindern, wie und weshalb beim Zugriff auf solche Seiten hohe Kosten entstehen können.
- Schauen Sie beim Surfen Ihres Kindes über die Schulter, unterstützen Sie es beispielsweise bei der Internet-Recherche zu einem Referat.
- Sie können Ihren Telefonanschluss für die Mehrwert-Telefonnummern 0190 und 0900 bei Ihrem Telefonnetzbetreiber sperren lassen. Bedenken Sie hierbei, dass es aber teilweise auch seriöse Support-Hotlines gibt, die über 0190- oder 0900-Nummern abgerechnet werden. Diese würden dann ebenfalls von Ihrem Anschluss aus -ohne vorhergehende Freischaltung- nicht erreicht werden können.
- Wenn Sie einen Breitband-Internetanschluss (wie z.B. T-DSL oder ein entsprechendes Angebot eines Telekom-Konkurrenten) besitzen, gilt Folgendes:
- Über den Breitbandanschluss können bei der aktuellen Technik Dialer keinerlei Kosten verursachen. Der Grund dafür ist: Die Breitbandanschlüsse bieten kein “Anwählen” einer bestimmten Telefonnummer an, sondern stellen eine Art "Standleitung" ins Internet dar. Sie können lediglich verschiedene Internet-Provider nutzen, bei denen Sie aber zuvor einen Zugang angemeldet haben müssen. Abgerechnet wird dann (bei T-DSL) nicht über den Telefonanschluss, sondern stets über den verwendeten Provider, mit dem man einen Vertrag hat.
Da also Dialer bei solchen Anschlüssen nichts ausrichten können, gibt es sie dafür auch nicht. - So positiv sich das auch anhört, sind Sie, wenn Sie einen Breitbandanschluss besitzen, noch nicht hundertprozentig auf sicherem Boden: Viele Anwender haben (auch wenn sie einen Breitbandanschluss besitzen) ihre ISDN-Karte oder ihr Analog-Modem noch im Rechner bzw. am Rechner angeschlossen. Dann wird natürlich ein Dialer nicht daran gehindert, Ihre ISDN-Karte oder Ihr Analog-Modem dazu zu verwenden, eine teure Verbindung zu einer Mehrwert-Telefonnummer herzustellen. Aus diesem Grund ist es sehr sinnvoll, dass Breitband-Nutzer die Kabel zwischen ISDN-Karte bzw. Analog-Modem und Telefondose trennen und nur bei Bedarf (z.B. bei Ausfall der Breitband-Anbindung oder zum Beispiel zum Versand eines Faxes) in Betrieb nehmen.
- Verwenden Sie Software, um Ihren Rechner regelmäßig zu überprüfen, ob sich evtl. Dialer eingenistet haben. Hier könnte z.B. die kostenlos erhältliche Software "Ad-Aware SE Personal" nützlich sein.
- Wie überall gilt auch hier: Technische Vorkehrungen helfen immer nur bedingt. Wichtig ist daher, dass Sie als Anwender Bescheid wissen und dies auch Ihrem Kind vermitteln.
Weitere Hinweise zu der Dialer-Problematik, wie Sie sich vorsorglich schützen können und was Sie tun können, wenn auf Ihrer Telefonrechnung bereits ein verdächtiger Posten aufgetaucht ist, finden Sie unter: www.dialerschutz.de




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