Teure Handy-Logos und -Klingeltöne
Nahezu alle Jugendlichen sowie bereits ein Großteil der Kinder nennen heute ein Handy ihr Eigen. Während vor einigen Jahren noch unter Jugendlichen Pre-Paid-Systeme die Regel waren, sind mittlerweile Festverträge üblich, bei denen ein lästiges “Aufladen” des Guthaben-Kontos entfällt. Zu dieser Entwicklung trugen sicherlich nicht nur Bequemlichkeitsaspekte bei, sondern vor allem auch attraktivere Tarife und zielgruppenorientierte Werbung der Mobilfunkanbieter.
Was mit dieser Entwicklung aber verloren geht, ist eine gewisse (Selbst-)Kontrolle. Denn ist bei einem Pre-Paid-System das Guthaben erst einmal aufgebraucht, muss dieses (z.B. durch den Erwerb einer Karte mit einem Freischalte-Code) wieder manuell aufgeladen werden. Bei Festverträgen dagegen kann das Handy im Grunde ohne Limit genutzt werden – Rechnung und Abbuchung kommen dann Wochen später.
Nicht selten ist nach einer solchen Rechnung der Ärger vorprogrammiert – sind es doch meist die Eltern, von deren Konto die Kosten zunächst abgebucht werden. Häufig stellt man dann fest: es sind gar nicht unbedingt die Gespräche, sondern die Kurzmitteilungen, die die Rechnung in die Höhe getrieben haben.
Während die Mobilfunkanbieter schon beim Versand normaler Kurzmitteilungen bereits finanziell kräftig zulangen -man bedenke, dass der Kurznachrichtendienst, besser bekannt als Short message Service (SMS) nur ein “Abfallprodukt” der Mobilfunktechnik ist-, gibt es mittlerweile auch ganz besonders teure Kurzmitteilungen: sogenannte Premium-Kurzmitteilungen oder einfach Premium-SMS. Dieser Dienst ist vergleichbar mit Anrufen zu Mehrwert-Telefonnummern (0190 oder 0900): der Angerufene -bzw. im Falle von Premium-SMS der Empfänger der Kurzmitteilung- bekommt Geld auf seinem Konto gutgeschrieben. Hier sind also die Empfänger des Großteils der dem Nutzer entstandenen Kosten in der Regel nicht die Mobilfunkunternehmen, sondern Anbieter von Mehrwert-Diensten.
Wie schon bei den 0190-Nummern gibt es auch hier jede Menge seriöser Angebote. Allerdings nicht nur, und einige davon haben es insbesondere auf das Geld der jüngeren Handy-Nutzer (und ihrer Eltern) abgesehen.
Doch wie bekommt man als Anbieter Jugendliche dazu, Premium-Kurzmitteilungen zu versenden?
Die Idee ist eigentlich ganz einfach: Moderne Handys werden nicht nur bereits vom Hersteller mit unzähligen Klingeltönen ausgeliefert, sondern sie bieten auch die Möglichkeit, die eigene Klingelton- und Logo-Sammlung (das sind kleine Bildchen auf dem Handy-Display, sie hatten ursprünglich einen anderen Hintergrund) jederzeit zu erweitern.
Neue Klingeltöne und Logos gibt es aber kaum frei verfügbar (evtl. noch am ehesten als Werbe-Jingles oder Werbe-Banner), stattdessen gibt es einige Unternehmen, die hier eine Marktlücke gefunden haben: sie “liefern” diese Dinge direkt auf’s Handy, allerdings muss (natürlich) zuvor eine Bestellung erfolgen: via Premium-Kurzmitteilung.
Konkret sieht das also so aus: Will also ein Jugendlicher seine Logo-Sammlung erweitern, sucht er z.B. in einem Fernseh-Werbespot (solche Werbung gibt es natürlich hauptsächlich auf Musik-Sendern oder nach Sendungen, die Kinder und Jugendliche als Zielgruppe haben) oder auf den Internet-Seiten dieser Anbieter das Logo aus, das er haben möchte, sendet eine Premium-Kurzmitteilung an die angegebene Nummer (wird damit häufig bis zu vier Euro ärmer) und findet wenige Minuten später das gewünschte Logo auf seinem Handy vor. Ja, Sie haben richtig gelesen: Angebote für bis zu vier Euro für den neusten “polyphonen Sommer-Hit” oder ein “cooles Logo” wurden schon gesichtet…
Genauso wurden “SMS-Flirt-Chats” unter Jugendlichen immer beliebter. Nicht bedacht wird hierbei aber häufig, dass die zum Chatten gesendeten Kurzmitteilungen ebenfalls solche extra teuren Premium-Kurzmitteilungen sind, und der Dienstanbieter daran ordentlich verdient.
Besonders dreist ist, wie aggressiv und zielgruppengerichtet diese Dienste beworben werden und wie sehr die anfallenden Kosten nicht erwähnt bzw. kleingeredet werden oder während des Werbespots im Kleingedruckten in der untersten Ecke des Fernsehbildes untergehen. Die Bestellung eines Logos geht dann bequem vom Sessel aus. Dazu kommt, dass ein Handy mit möglichst vielen Logos und dem neuesten Hit als Klingelton mittlerweile häufig als Statussymbol in der Clique gilt.
Was können Sie dagegen tun, damit Sie oder Ihre Kinder nicht auch in diese Kostenfalle tappen?
- Reden Sie mit Ihren Kindern darüber, wie solche Dienste funktionieren und dass es immer einen gibt, der dabei verdienen muss.
- Vielen Kindern fehlt schlichtweg das Kostenbewusstsein: Schauen Sie zusammen mit Ihren Kindern diese Werbespots an und rechnen Sie mit ihnen zusammen durch, was es kostet, eine bestimmte Menge solcher Logos oder Töne zu ordern. Vergleichen Sie, was man für das selbe Geld an Wichtigem und Sinnvollem kaufen könnte.
- Pre-Paid-Systeme bieten einfach die bessere Kontrolle: Wenn die Kinder selber zum Automaten oder in den Laden gehen müssen und durch Bezahlen von Bargeld ihr Guthabenkonto aufladen müssen, dann sind sie sich der anfallenden Kosten wesentlich besser bewusst, als wenn die entstandenen Gebühren erst hinterher abgebucht werden.
- Im Falle unseriöser Anbieter (z.B. wenn keine Gebühreninformationen angegeben sind) sind die Verbraucherzentralen mögliche Anlaufstellen.
- Zeigen Sie Ihren Kindern Alternativen auf: Chatten kann man viel bequemer und -je nach Internetzugangstarif meist kostengünstiger- auch an einem PC. Versuchen Sie ihnen klarzumachen, dass ein Klingelton kein Statussymbol ist. Und wenn es doch sein muss: es gibt Handys, bei denen man über ein Datenkabel oder mittels Infrarot-Schnittstelle beispielsweise selbstgestaltete Logos oder Ausschnitte aus einem Musikstück vom PC auf das Handy überspielen kann. Von den Anschaffungskosten abgesehen völlig kostenlos.
Weitere Informationen zu dieser Problematik gibt es unter:




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