ZDF Frontal 21 mit diskussionswürdigem Bericht: Immer mehr brutale Computerspiele – Und keiner tut was dagegen?

Frontal 21

In deutschen Kinderzimmern werden immer mehr brutale und jugendgefährdende Computer- und Videospiele gespielt – meist sogar ohne das Wissen der Eltern und vom Gesetzgeber, man will nicht sagen legitimiert, aber zumindest nicht mit den erforderlichen Maßnahmen verhindert. Dieser Meinung ist zumindest Rainer Fromm, der am 9.11. im ZDF-Magazin “Frontal21″ mit seinem Bericht “Videogemetzel im Kinderzimmer – Killerspiele und Behördenversagen” scharfe Kritik an der USK und den zuständigen Ministerien übte.

Im Mittelpunkt der angestellten Recherchen stehen aktuelle Titel wie "Doom 3" oder "Mortal Kombat – Deadly Alliance". Hauptkritikpunkt, so Fromm, sei, dass solche brutalsten Computerspiele von der USK als frei erhältlich ab 18 Jahren eingestuft worden sind, und somit im Handel frei beworben und angeboten werden dürfen. Fromm spricht sogar von einer "aggressiven Werbung in Kaufhäusern". Wenn man unter aggressiver Werbung versteht, dass überhaupt für ein Produkt geworben wird, dann hat er wohl recht. Allerdings fällt einem bei einem Bummel durch diverse Kaufhäuser wohl kaum auf, dass für solche Spiele mehr geworben wird, als für alle anderen Bestseller, wie z.B. "Die Sims", auch. Und wohl so manch einer wird mir wohl zustimmen, wenn man an seine eigene Jugend zurückdenkt. Seien es nun Computerspiele oder andere gefährliche Dinge, wie das Spielen mit Feuer. Das Verbotene zieht einen eben manchmal magisch an und man macht es trotzdem, vielleicht sogar auch gerade weil es etwas Verbotenes ist.

Aber um nun wieder auf die Computerspiele zurückzukommen: Ich erinnere mich dunkel an endlose Nachmittage mit Freunden vor dem Computer. Damals waren die Vorgängerversionen der Spiele "Doom 3" und "Mortal Kombat – Deadly Alliance" noch indiziert und im Laden nicht frei erhältlich. Und trotzdem haben sie immer wieder den Weg auf unsere Rechner gefunden. Wieso also nicht offen dafür werben dürfen, so dass auch Eltern mitbekommen, welche Spiele sie ihre Kinder wohl lieber nicht spielen lassen. Denn eines ist klar: Ob verboten oder nicht, Kinder, die evtl. auch durch mangelnde Medienkompetenz ihrer Eltern an solche Spiele herankommen wollen schaffen dies auch.

Auch wieder ein Bericht aus eigener Erfahrung: Erst kürzlich erzählte mir mein 11-jähriger Cousin mit einer an Fanatismus grenzenden Begeisterung von seinem neuesten erworbenen Spiel "GTA – Vice-City". Da ich mich auch etwas mit dem Spiel auskenne, fragte ich ihn dann nach detaillierteren Szenen bzw. zu erfüllenden Aufträgen im Verlauf des Spiels. Er aber interessierte sich garnicht für das eigentliche Ziel des Spiel, nämlich Aufträge für diverse Mafiosi zu erfüllen, sondern nur dafür, dass man Menschen mit dem Auto überfahren, Rentner auf offener Straße mit dem Baseballschläger zusammenschlagen und mit aktiviertem Waffen-Cheat die Polizei mit Flammen- und Raketenwerfern auf Trab halten kann. Auf meine Frage hin, wie er denn an das erst ab 16 Jahren freigegebene Spiel herangekommen sei, meinte er nur gelangweilt: "Der Opa hat es mir gekauft." In diesem Punkt stimmt ich Rainer Fromm zu, nämlich dass viele solche Spiele nur spielen, um evtl. angestaute Aggressionen loszuwerden. Dies ist vor allem bei jüngeren Spielern der Fall, die den eigentlichen Sinn des Spiel noch nicht durchschauen und nur auf möglichst brutale Darstellung aus sind, damit sie vor Freunden damit angeben können, schon das neueste "Brutalo-Spiel" gezockt zu haben.

Allerdings liegt die Lösung des Problems nicht allein beim Gesetzgeber und somit darin, sämtliche Spiele, in denen körperliche Gewalt eine Rolle spielt zu verbieten, nur damit man sich die Spiele dann doch wieder irgendwo anders beschafft. Es muss Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit Eltern wissen, was ihre Kinder spielen. Und dazu zählt eben auch Werbung, auch wenn sie eigentlich den Sinn hat, zum Kaufen anzuregen. Aber nur durch sie können auch Erwachsene darauf aufmerksam gemacht werden, was gerade gespielt wird und somit angemessen in Bezug auf die Mediennutzung ihrer Kinder reagieren zu können.

Außerdem klingt die Reaktion des Bundesfamilienministeriums auf den Bericht auch nicht gerade höchst motiviert: Man wolle bis zum Jahre 2008 prüfen, ob die aktuelle Regelung der Einstufung von Computer- und Videospielen durch die USK sinnvoll ist.

Deshalb: Sinnvoller ist es, nicht auf die Mühlen des Gesetzes zu warten, sondern sich als Elternteil aktiv und interessiert mit dem Spielekonsum seiner Sprößlinge auseinanderzusetzen. Dabei ist ein klärendes Gespräch oft mehr wert, als ein streng ausgesprochenes Verbot ohne jegliche Begründung!

Ausführlicher Bericht: frontal21: Video-Gemetzel im Kinderzimmer

  1. Thomas Fuegner schrieb:

    Hatte ich auch mal für wichtig gehalten das Thema. daraufhin hatte ich eben dieses Produkt
    Kids-TV-Stop entwickelt, produziert und verkauft, mit einigen zigTausend Märkern Aufwand:
    Aber “panem et circenses!” ist wichtiger als Kultur, Vernunft, wie ich teuer erfahren mußte. Daher rührt ein Teil meines Zynismus´.
    PISA – Loser und TV- Medien- konsum korrelieren, wie Manfred Spitzer herausgefunden hat.
    WIE riskant die Kiste ist, hätte ich allerdings bis heute nicht gedacht: “Das Vermögen zu riechen, zu fühlen, zu hören oder sich zu bewegen bleibt defizitär. Stattdessen entsteht eine körperliche Abhängigkeit von den Hormonen, die beim Sehen von Gewaltszenen oder beim aggressiven Computerspiel ausgeschüttet werden. Und dieser Prozess ist irreversibel.” (Prof. Manfred Spitzer: Vorsicht Bildschirm, Klett Verlag) Das Fernsehen erzieht die Kids zu Killermaschinen!! Da sollte ich über PISA- Loser nicht mehr ablästern, mich eher zu einem Selbstverteidigungs anmelden?
    Bei den gängigen Erziehungsprinzipien “mir-doch-egal, Hauptsache, ich hab meine Ruhe!”, oder Kartoffel- Prinzip (“groß werden die von alleine!”) oder “das Kind muß seine Grenzen selber finden!” läuft´s halt so, wies nun mal läuft!
    Allen Eltern viel Glück!
    TF

  2. Sascha W. schrieb:

    Es heist ja …”Die rechtsfähigkeit eines Staates kann man am Verhalten seiner Bürger ablesen”. Also kann man sagen, dass unser Staat nicht rechtsfähig ist, oder seihen will (siehe Erfurt). Die brutalität der Computerspiele hat meiner meinung nach stark zugenommen.
    Ich spiele selbst Doom3, SOF oder Severance. Anfangs hat es mich echt geschockt wie man da die NPCs zerteilen kann , doch wärend des spielverlaufs bemerkte ich eine deutliche Abstumpfung im Umgang mit der Gewalt in dem Spiel. Da ist es nich verwunderlich das Jugendliche oder Kinder das nicht verkraften und so etwas grausames wie in Erfurt anrichten.

  3. AxnQ3 schrieb:

    Meine Meinung ist das Computer Spiele keinen einfluss auf kinder haben
    wenn es um Brutalität geht dann sollte man die Medien verbiten die Brutalität vom veinsten bieten

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