Musik macht aggressiv?
Es gibt ja seit langem Theorien darüber, dass Musik aus Bereichen wie z.B. Punk, Rap oder Metal Leute aggressiv macht. Ganz klar, wenn Musik aggressive Töne von sich gibt, muss das den Menschen, der dies hört, aggressiv machen. Aber nein, dem ist nicht ganz so. Jedenfalls hat das Craig Anderson von der Iowa State University und Forscher am Texas Departement of Human Services in Austin herausgefunden.
Bei seinen Untersuchungen spielte er verschiedenen Probanden unterschiedliche Musik einer Band vor. Die erste Gruppe bekam aggressive Stücke dargeboten. Eine Kontrollgruppe ruhigere, friedliche Stücke.
Die Testpersonen, die aggressiven Stücken lauschten, hatten bei verschiedenen psychologischen Tests erhöhte Werte im Bereich Aggression. Also genau wie man das bisher erwartet hatte.
Allerdings testeten die Forscher weiter und erkannten, dass der Effekt nicht durch die Musik selbst, sondern durch die Texte ausgelöst wurde. Daraus folgerten sie, dass die Beschäftigung mit solchen Songtexten zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft führt.
Daraus folgern wir: Wenn wir zu Liedern von Eminem und Slayer einen Text von Nicole hinterlegen fördert es keine Aggressionen.
Aber nun mal im Ernst: Jugendliche sollten anhören was sie wollen – durch Verbote kann man sie nicht dazu bringen, es zu lassen. Man muss vielmehr mit Jugendlichen über das, was sie machen bzw. hören, reden und sich bzgl. der Art der Musik mit ihnen auseinandersetzen. Eine Idee wäre es sicher, sich auch mal mit den Texten zu befassen und zu schauen was denn da überhaupt gesungen wird. Darüber sollte dann wieder diskutiert werden. So steht der Text nicht unreflektiert da. Falls die Jugendlichen dazu nicht bereit sind, sollte man versuchen, andere Wege zu gehen, um zu einen Dialog über ihre Musik zu kommen.
Der Original-Artikel findet sich unter www.newswise.com.




9. Dezember 2004 um 03:55
vom Link:
"…although the authors say it is possible that the effects of violent songs may last only a fairly short time."
Das ist meines oberflächlichen Wissens zufolge ohnehin der allgemeine Konsens im Bezug auf Musik, Videospiele etc. Kurzfristige Wirkungen sind belegbar, jenseits davon tappt man im Dunkeln.
Insofern ist die Studie alter Wein in neuen Schläuchen. Bspw. die agressionsfördernde Wirkung der Präsenz von Waffen (Berkowitz, c.a. 1965), die Bobo-Doll Experimente von Bandura (c.a. 1960), die komplette Forschung zu Priming/Voraktivierung sind allesamt schon kanonisierter Wissensbestand. Der Artikel vom Mai 2003 bringt demgegenüber meiner Meinung nach keinen wesentlichen Fortschritt. Sicher, schön das es mal jemand gemacht hat, aber das war's dann auch schon.
9. Juli 2007 um 11:11
Ich höre selber Punk und habe mit meinen Eltern Probleme, weil sie glauben, diese Art von Musik macht aggressiv. Ich denke, dass Eltern sich mehr mit der Musik auseinandersetzen sollten. Bestimmte Computerspiele und Fernsehserien machen meiner Meinung nach aggressiver als Musik. Es könnte ja auch genau andersrum sein: Musik beruhigt, wenn man am liebsten auf Menschen einschlagen würde.