Tina Taler – die Familienwährung!
Eine Situation, die wohl jeder, der mit Kindern zu tun hat (oder selbst einmal Kind war) kennen dürfte: Kinder entdecken die Freuden des Fernsehens oder des Computerspielens und finden im Konsum dieser Medien nicht das richtige Maß. Anstatt mit anderen Kindern zu spielen sitzen sie viele Nachmittage vor dem Computer oder Fernseher und ständig entbrennt ein Dauerstreit, da man ihnen nicht begreiflich machen kann, dass sie heute nicht fernsehen dürfen, weil sie diese Woche schon jeden Tag vor der Glotze gesessen haben.
Hier will Tina Taler helfen. Tina-Taler sind bunte Plastikmünzen mit ca. 5 cm Durchmesser und sollen bei der Erziehung eine praktische Hilfe sein. Es gibt vier grundlegende Arten von Talern: Wunschtaler (für grundlegende Wünsche), Naschtaler (für den Süßigkeitenkonsum), Fernsehtaler und Computertaler.
Das Grundprinzip ist einfach: Das Kind verfügt über Taler, die es sich – im Fall von Wunschtalern durch eine vollbrachte unliebsame Aufgabe als Belohnung – verdient hat oder am Anfang des Monats (bei Nasch-, Fernseh- und Computertalern) in einem festen Kontingent zugewiesen bekommen hat und kann diese Währung dann nutzen, um sich einen Wunsch zu erfüllen, etwas Süßes essen zu dürfen, zu fernsehen oder Computer zu spielen.
Damit soll folgendes erreicht werden:
- die Taler erlauben es Eltern, den Medien- und Süßigkeitenkonsum zu dosieren, ohne immer Verbote auszusprechen
- die Kinder selbst teilen sich ihr Konsumverhalten ein und lernen, mit knappen Zeitressourcen umzugehen und ihren Tagesablauf zu planen
- es macht Kindern Spaß, eigenverantwortlich damit umzugehen
Bei 6,95 € für 10 Taler einer Art scheint diese Erziehungshilfe ein wenig teuer, da sich eine eigene Familienwährung sehr einfach selber basteln ließe. Aber: Wem diese Hilfe das Geld wert ist, soll sie sich und seinen Kindern leisten.
Ganz neu ist die Idee eines solchen Belohnungssystems nicht. Bonusheftchen und Stempelkarten sind schon in vielen Familien im Einsatz und werden dort mehr oder weniger erfolgreich eingesetzt. Implizit ist es eigentlich meistens in der Erziehung vorhanden, es gilt oft die Devise “Wenn Du die Woche über lieb bist, dann gehen wir am Freitag ins Kino”; dies ist im Grunde nichts anderes, nur wird das “lieb-sein” nicht mittels einer Währung quantifiziert.
Das Problem bei diesen Belohnungssystemen sehe ich bei der Erzeugung von Motivation im Kind, Leistungen zugunsten der sozialen Gemeinschaft Familie auch freiwillig und ohne Bezahlung durch z.B. Wunschtaler zu erbringen.
Motivation kann in zwei Gesichtspunkte unterschieden werden: in extrinsische und intrinsische Motivation. Extrinsische Motivation ist Motivation, die von außen kommt, also durch Druck oder Belohnungen zustande kommt; intrinsische Motivation kommt aus dem Handelnden heraus und ist in seinem Interesse, in akzeptierten Normen (wie z.B. Teamgeist oder Pünktlichkeit) oder Spaß an der Sache begründet.
Wie beeinflusst dies nun die Erziehungssituation? Durch Belohnung / Bezahlung wird dem Kind ein Zeichen gegeben: schau her, wenn Du Dein Zimmer aufräumst, bekommst Du etwas dafür. Wenn dies nur oft genug wiederholt wird, lernt das Kind, nach solchen Tätigkeiten eine Belohnung zu erwarten und wird dadurch rein extrinsisch motiviert. Diese extrinsische Motivation verdrängt mit der Zeit die intrinsische. Wenn nun die Belohnung ausbleibt, wird das Kind über keine Motivation verfügen, also nicht bereit sein, die Aufgabe auch ohne Belohnung / Bestrafung zu erledigen.
Wie sieht es nun mit den Nasch-, Fernseh- und Computerspiel-Talern aus? Macht es Sinn, die Dauer des Medienkonsums oder Menge des Süßigkeitenkonsums auf diese Art und Weise zu beschränken?
Vieles spricht dafür. Mit einem Gutscheinsystem dieser Art lässt sich sehr genau kontrollieren, wieviel ferngesehen oder computergepielt wird. Die Kinder lernen, ihr Verlangen nach Konsum zu zügeln und auch einmal zu verzichten – sei es notgedrungen, weil keine Taler mehr da sind oder bewusst, weil sie die Taler bei einer anderen Gelegenheit ausgeben wollen.
Trotzdem halte ich es für zynisch, Kinder schon in jungem Alter an die Käuflichkeit von allen Dingen zu gewöhnen. Vielleicht ist dies auch ein wenig idealistisch, da Kinder früher oder später auf jeden Fall mit Geld- und Leistungsgedanken in Berührung kommen werden. Wenn eine Einführung dieser Systeme nicht unbedingt nötig ist, dann sollte man darauf verzichten und dem Kind klarmachen, warum viel Fernsehen oder Süßigkeiten schlecht für es sind; Tina-Taler machen eine gute Erziehung nicht wett, aber eine gute Erziehung macht Belohnungs- und Gutscheinsysteme dieser Art überflüssig.





13. Juni 2005 um 22:39
Hallo Phil,
sicher….man kann über die Frage “Käuflichkeit von Kindern” bestimmt ganz vortrefflich streiten !
Andererseits finde ich es doch schon mal gar nicht so verkehrt, wenn sich Eltern überhaupt erst einmal nen Kopf darum machen ob und/oder daß ihr Kind zu viel fern sieht und dann im zweiten Schritt einen Weg suchen, dieses einzudämmen.
Denn mal ganz ehrlich die Realität sind in den meißten Familien doch leider anders aus….auch wenn wir daß in userer oft so schön idealisierten Erziehungswelt nicht wahrhaben wollen.
….und wenn dann solche Taler helfen….warum nicht ???
Schöne Grüße,
Gerrit
30. Juni 2007 um 15:36
ich wil für habbo taler5
30. Juni 2007 um 15:38
taler
12. Oktober 2007 um 14:05
ja und eva herman ist auch ganz super, gell?