Podcatcher – kostenlose Podcast-Empfänger im Vergleich

Podcasting – laut einer Studie von ARD und ZDF im letzten Jahr noch für ca. 60% der Internetnutzer ein unbekanntes Phänomen – wird nun auch unter Nutzern, die nicht so häufig das Internet nutzen, immer bekannter. Mehr und mehr private Radiostationen, wie zum Beispiel der teils sehr beliebte Podcast “Schlaflos in München” von Annik Rubens, sprießen aus dem Boden. Auch öffentlich-rechtliche Radiosender und sogar unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel gehen mit dem Trend und verbreiten zum Teil sehr wissenswerte Inhalte via Internet.
Die zumeist in einer Serie erscheinenden Sendungen werden über einen RSS-Feed verbreitet. Diese Podcast-Feeds können zwar auch mit einem ganz normalen RSS-Reader abonniert werden, aber es gibt hier auch spezielle Software, welche keinen externen Media-Player benötigen. Diese Software nennt man Podcatcher. Wir haben mehrere Podcatcher getestet und zeigen im Folgenden, wo bei den einzelnen Produkten die Stärken und die Schwächen liegen. Fünf Kandidaten haben es in die Bewertungsphase geschafft, drei Podcatcher blieben bereits während bzw. kurz nach der Installationsphase auf der Strecke.
In die Bewertung kamen letzten Endes folgende Produkte: Apples “ITunes 7.1.1.5″, der “RSS Newsfeed Reader & Producer 1.0″ von AM Software, “Feed your Zune 1.0.1.76″ von Microsoft, die Freeware “Juice v2.2″ und das Webangebot “netvibes.com”.
Testkriterien waren zum einen qualitative Kriterien wie Design, Übersichtlichkeit und Installationsaufwand und zum anderen quantitative Kriterien betreffend der technische Ausstattung.
Installation leicht gemacht
Der Installationsaufwand hält sich bei allen fünf Produkten sehr in Grenzen. Die Installationsdateien sind bis auf Apples ITunes (ca. 36 MB) angenehm klein, was einen zügigen Download gewährleistet. Die zu treffenden Einstellungen halten sich ebenfalls sehr in Grenzen (Sprachwahl, Installationspfad angeben), was eine kurze Installationszeit mit sich bringt. Lediglich in den Fällen, in denen zusätzlich der Quicktime-Player bzw. -Plugin installiert werden muss, erhöht sich die Installationszeit leicht. Hält sich jedoch in einem akzeptablen Rahmen. Am schnellsten im Test war der RSS Newsfeed Reader & Producer installiert. Im Falle von netvibes ist nur die Installation des Quicktime-Plugins notwendig, da ansonsten lediglich ein Browser benötigt wird.
Übersichtlichkeit oder schickes Design – oder beides?
Die ersten Unterschiede treten bei der Bewertung der Gestaltung der grafischen Benutzeroberflächen auf. Hier kann weniger oft mehr sein, da bei aufwendig gestalteten Oberflächen meist die Übersichtlichkeit leidet. Wie zu erwarten, bewältigen die beiden Podcatcher aus den großen Softwarehäusern Apple und Microsoft diese Aufgabe mit Leichtigkeit. Beide sehen sehr ansprechend aus – trotzdem findet sich der Benutzer sehr schnell und gut zurecht. Da hier ITunes mehr Funktionalität unterbringen muss, hat hier Apple ganz knapp die Nase vorn. Der RSS Newsfeed Reader & Producer legt hier wohl bewusst keinen Wert auf das Aussehen, sondern lediglich auf ein übersichtliches Anbieten der Funktionalität, was ihm jedoch einen Platz auf den mittleren Rängen sichert. Abgeschlagen ist hier die Freeware Juice, welche weder mit einem schönen Design noch mit Übersichtlichkeit überzeugen kann.
Ergonomie – Podcasts abonnieren, downloaden und abspielen
Das Abonnieren von Podcasts ist in allen Fällen gleichermaßen einfach. Lediglich die URL in ein Textfeld kopieren – das wars. Bis auf den RSS Newsfeed Reader & Producer bieten die Podcatcher auch allesamt die Möglichkeit eines OPML-Import/-Export. Mit Hilfe einer OPML-Datei lassen sich alle abonnierten Podcasts und gegebenfalls RSS-Feeds in einer Datei speichern und beispielsweise auf einem anderen PC wieder importieren.
Bei den meisten Podcatchern mussten die Podcasts zunächst heruntergeladen werden, bevor man sie abspielen konnte. Wer netvibes benutzt, spart sich den vorherigen Download der Podcasts. In diesem Fall werden die Dateien direkt per Stream im Browser abgespielt. Auch der RSS Newsfeed Reader & Producer kann Audio-Dateien direkt per Stream wiedergeben. Videodateien streamt er nicht, da er diese im Test nur über einen externen Player abspielen konnte.
ITunes und Feed your Zune zeigen die verfügbaren Podcasts in einer Bibliothek an. Per Doppelklick werden die Dateien heruntergeladen und können in derselben Bibliothek mit den noch nicht heruntergeladenen Dateien verwaltet und abgespielt werden. Durch die gute Verwaltungsmöglichkeit mit Bewertungssystem hat hier Apple erneut knapp die Nase vorn.
Die Freeware Juice kann wiederum nicht überzeugen. Zum einen verwaltet sie die verfügbaren Podcasts und die Downloads in verschiedenen Fenstern, auf der anderen Seite startet sie die Downloads standardmäßig für alle verfügbaren Podcasts automatisch. Einstellungen diesbezüglich sind nur umständlich vorzunehmen.
Zusätzliche Features
Wie der Name schon verrät, bietet der RSS Newsfeed Reader & Producer nicht nur die Möglichkeit einen RSS-Feed zu abonnieren, sondern auch einen ebensolchen zu produzieren. Über eine ähnlich dem Reader einfach gehaltene Oberfläche, welche aus einer Eingabemaske und einer Gruppe von Buttons besteht, können hier Newsbeiträge produziert werden und als XML-Datei im RSS 2.0-Format exportiert werden.
Die meisten, die einen IPod besitzen kennen die zusätzlichen Features von ITunes bereits. Neben der Synchronisation mit dem MP3-Player kann die Software auch zum Einkauf von MP3-Titeln über Apples IStore verwendet werden. Außerdem bietet ITunes eine sehr schöne Möglichkeit die diversen Medientitel, welche sich auf dem Rechner und im Internet tummeln, zusammen in einem Programm zu verwalten.
Das Webangebot netvibes.com besitzt zusätzlich zum Abonnieren von Podcasts und Newsfeeds einige weitere Möglichkeiten bei der Erstellung einer personalisierten Startseite: Das Erstellen von Notizen und Aufgaben, das Abrufen von Emails, das Führen eines Kalenders, eine Wetteranzeige und vieles mehr. Diese Palette von Optionen macht netvibes.com zum Gewinner dieser Kategorie.
Fazit
Wer häufig verschiedene Rechner benutzt oder das Angebot einer personalisierten Startseite nutzen möchte, sollte sich netvibes.com in jedem Fall einmal anschauen. Wenn man immer denselben Rechner benutzt, ist nicht einmal eine Anmeldung nötig, da die Webanwendung die geänderten Daten in einem Cookie speichert.
Wer einen IPod besitzt, hat meistens ITunes sowieso schon installiert. Aber auch für Leute ohne IPod lohnt sich der Blick auf ITunes, da es hervorragend dazu geeignet ist, auch große Mengen von Mediendateien verschiedener Typen (Musik, Podcasts, Filme) auf dem Rechner zu verwalten.
Wer statt Musik und Filmen lieber nur Newsfeeds und Podcasts lesen bzw. anhören möchte und dennoch Wert auf Design legt, wird wohl zum “Feed your Zune” greifen.
Die Minimalisten, die keinen ausgeprägten Designanspruch hegen, sondern lediglich Newsfeeds lesen wollen und Podcasts sowieso lieber im externen Player anhören bzw. anschauen, dürfte der RSS Newsfeed Reader & Producer genau das Richtige sein. Zudem bietet der intergrierte Producer auch die Möglichkeit Newsfeeds zu erstellen.
Allgemein gilt: Wir haben hier, wie bereits oben erwähnt lediglich eine kleine Auswahl aus einem großen Angebot von Podcatching-Software vorgestellt. Wer mit seiner bisherigen Software nicht allzu sehr oder nur mäßig zufrieden ist, sollte sich nicht vor einem Wechsel scheuen, sondern gegebenenfalls ein anderes Produkt wählen. Software ist als Unterstützung und nicht als Ärgernis zu begreifen.
Quellenangabe
Grafik von Peter Marquardt lizenziert durch Creative Common 2.0



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