Semantic Web
Seit Jahren geistert ein Begriff in der Webwelt umher, der für viele schwer zu fassen ist: Das Semantic Web. Dennoch könnte er mittelfristig zum zentralen Bestandteil werden. Immer mehr Fachleute teilen Tim Berners-Lees Vision vom semantisch verlinkten Netz und einige davon verknüpfen den Begriff mit dem nächsten evolutionären Schritt, den das Web machen wird.
Was steckt nun hinter der Fassade des etwas bizarr-technisch anmutenden Begriffs? Ist es nur ein weiteres im Zusammanhang mit dem WWW stehendes Modewort à la Web 2.0? Oder verbirgt sich dahinter tatsächlich etwas mehr als lediglich eine Sammelbezeichnung für die Anwendung verschiedener in Mode gekommener, aber schon jahrelang zur Verfügung stehender Webtechnologien?
Der oben bereits erwähnte Erfinder des World Wide Webs, Tim Berners-Lee, hat dem Begriff 2001 in einem Artikel des Scientific-American-Magazine Leben eingehaucht und sieht das dahinterstehende Konzept als eine Erweiterung des Webs. Die Grundidee ist denkbar einfach: Im herkömmlichen Web ist der Hypertext bzw. der Link das zentrale Element. Er ermöglicht die Verknüpfung von diversen Inhalten und Webseiten untereinander und nicht nur das: Theoretisch sind alle im Web verfügbaren Inhalte miteinander verknüpft bzw. verlinkt. Im Semantic Web sollen jedoch nicht nur die Seiten, welche Informationen bereitstellen, verlinkt werden. In einem semantischen Netz sollen, ähnlich zum menschlichen Gehirn, Daten der Art miteinander verknüpft werden, dass auch die Bedeutung (Semantik) für eine Verknüpfung für Mensch und Maschine klar wird.
Technisch gesehen, geschieht eine Verlinkung von Inhalten jedoch ohne eine weitere Aussage darüber, welche Semantik diese Verknüpfung hat. Oder anders gesagt: Die Information darüber, welchen Bezug – angenommen, dass es einen gibt – der verlinkende Inhalt zum verlinkten hat, muss durch den jeweiligen Kontext bereitgestellt werden.
Für einen Menschen ist ein solcher Kontext mal gut, mal weniger gut – je nach Qualität, der zugrundeliegenden Quelle – zu erfassen. Wenn explizit geschrieben steht „Für weitere Informationen klicken Sie den nachstehenden Link: http://…“ geschieht das Erfassen der Semantik relativ problemlos. Wenn dagegen ein Begriff, wie „Semantic Web“, in blauer Schriftfarbe und unterstrichen dargestellt ist, ist die Sache schon etwas schwieriger. Ein erfahrener Nutzer weiß hier sofort: Wenn ich nun auf den Link mit dem Namen „Semantic Web“ klicke, komme ich wahrscheinlich auf eine Seite, auf der weitere Informationen zu finden sind. Diese Information wird dem Nutzer jedoch implizit vermittelt, womit der eine oder andere in manch einer Situation eventuell schon Schwierigkeiten haben kann oder zumindest nicht eindeutig feststeht, was in diesem Moment der Kontext ist.
Daraus wird deutlich, dass die Semantik eines Links nicht einmal von einem Menschen immer eindeutig bestimmt werden kann. Der Sinn des Semantic Webs soll jedoch darin liegen, dass Computerprogramme die Verknüpfung von Daten und die Auswertung der Semantik dieser Verknüpfung vornehmen. Dies erfordert eine maschinenlesbare, explizite Angabe von sogenannten Meta-Informationen. Technologien wie z.B. Tagging, also das Versehen von Webelementen (Bookmarks, Bilder, etc.) mit Stichwörtern (Tags) können hier nur eine zwingend notwendige Vorarbeit sein. Zwar erleichtern Tags die Suche innerhalb einer unsortieren Ansammlung von Bildern mit kryptischen Namen, wie z.B. DSC06547.jpg, ungemein, aber die Denkleistung einen adäquaten Suchbegriff einzugeben, muss der Mensch selbst erbringen. Ein Suchagent im Semantic Web soll jedoch anhand von sogenannten Ontologien vorausahnen, welche Bilder man in welchem Kontext gerne sehen möchte und welche nicht, und das so, dass der Nutzer nichts davon mitbekommt.
Ohne eine Mensch-Maschine-Interaktion wird es wohl nie gehen und es steht noch einiges an Arbeit an, um die Vision Berners-Lees in die Tat umzusetzen. Das aktuelle Zeitgeschehen jedoch zeigt, dass diese Vision es schon längst versäumt hat, die Abbiegung in Richtung Utopie zu nehmen. Lediglich an der vermeintlich fehlenden Rentabilität von Anstrengungen in dieser Richtung könnte eine Umsetzung dennoch scheitern.
Weitere Informationen unter: http://www.w3.org/2001/sw/



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