Lernen mit Karteikarten – altmodisch oder up-to-date

Lernen mit Karteikarten eignet sich wohl am besten für Dinge, die man auswendig lernen muss, wie etwa Vokabeln. Dabei funktioniert das Lernen mit Karteikarten durch Wiederholung. Wenn man etwas oft genug gesehen oder gesagt bekommen hat, merkt man es sich nämlich irgendwann.

Das wohl bekannteste Prinzip, um mit Karteikarten zu lernen, ist das 5-Fächer-Prinzip. Dies ist einfach aber sehr effektiv: Alle neuen Karten kommen immer in Fach 1. Dieses wird jeden Tag durchgenommen. Eine richtig beantworte Karte darf in Fach 2 abgelegt werden, alle falsch beantwortetem Karten müssen in Fach 1 bleiben. Die Fächer 2 bis 5 werden immer dann bearbeitet, wenn sie voll sind. Hier gilt fast dasselbe, richtig beantworte Karten dürfen wie gehabt ein Fach weiter, falsch beantwortete Karten dagegen kommen in Fach 1 zurück.

Stellt sich nun für Eltern die Frage: Wie bringe ich mein Kind dazu Karteikarten zu schreiben?

Denn vor allem im Schreiben der Karteikarten liegt ein weiterer großer Lerneffekt. Erstens muss sich der oder die Lernende überlegen, was überhaupt auf der Karteikarte stehen soll und zweitens muss dies richtig auf die Karteikarte übertragen werden.

Hier kommt nun das Internet ins Spiel: Medienmami hat sich auf die Suche gemacht und drei webbasierte Anwendungen zum Scheiben von Karteikarten gefunden und verglichen.
Zum einen wäre hier Lernkartei.de ein Projekt von Stefan Klar, des weiteren Karteilernen.de von Daniel Sadilek und Mindpicnic von Andreas Stuhlmüller. Alles sind private Projekte, die wohl aus den unterschiedlichsten Gründen entstanden sind. Leider ist der Grund für das entstandenen Programm nur bei Andreas Stuhlmüller nachzulesen. Er suchte nämlich scheinbar erfolglos nach einem Werkzeug für effektives Lernen.

Lernkartei logo

Lernkartei.de

Auf Lernkartei.de können registrierte Nutzer Lernkarten anlegen, verwalten, ausdrucken, tauschen und natürlich lernen. Jeder der sich kostenlos registriert, kann die Möglichkeiten von Lernkartei.de nutzen. Eine Registrierung ist schon alleine deshalb nötig, da man ja die einzelnen Lernkarteien den erstellenden Personen zuordnen muss und nur so hat das System die Möglichkeit, sich den Lernfortschritt zu merken.

Lernkartei

Doch wie einfach ist das System zu bedienen? Das Anlegen der Karten ist etwas kompliziert, da man erst einen Karteikasten anlegen muss, in den man dann die Karteikarten ablegen kann. Dabei muss jede einzelne Karteikarte dem Kasten zugeordnet werden, was sich als recht zeitaufwändig herausstellt. Die Import und Export Funktion hingegen ist recht sinnvoll. Dadurch kann man Karteikarten mit Freunden tauschen, in dem man das exportierte Textfile einfach per Mail verschickt, der Empfänger kann es dann wieder in seinen Account importieren. Des weiteren können die Karteikarten auch als PDF heruntergeladen und ausgedruckt werden. Auf der Website steht im Übrigen ein PDF-Dokument zur Verfügung, welches einen Bastelbogen für eine 5-Fächer-Lernkartei enthält. So kann auch optimal offline gelernt werden. Online kann natürlich auch gelernt werden. In einer Statistik kann man sich ansehen, welche Karten sich in welchem der 5 Fächer befinden. Wie diese Einteilung jedoch beim Lernen berücksichtigt wird, ist leider nirgends ersichtlich.

Fazit: Lernkartei.de ist optisch sehr zurückhaltend. Die wichtigen Funktionen funktionierten jedoch einwandfrei. Lediglich das Anlegen der Karteikarten benötigt seine Zeit und ob online wirklich gut gelernt werden kann, ist eher fraglich. Hier ist sehr viel Selbstdisziplin gefragt. Für das Angebot seht übrigens eine Demo zur Verfügung.

Karteilernen logo

Karteilernen.de

Karteilernen.de besticht vor allem durch Einfachheit. Auch hier ist eine kostenlose Registrierung nötig, um eigene Karteikarten anzulegen. Ein neuer Karteikasten erhält einen Namen und eine Beschreibung. Anschließend wird hier die Fächerzahl bestimmt, denn hier können Karteikasten mit 4 bis 8 Fächern angelegt werden. Mit Anzahl der Fächer steigt natürlich auch die Anzahl der Tage, die man zum erlernen der Karten mindestens einplanen sollte.

Karteilernen

Im Anschluss daran können die Karten eingegeben werden. Hier kann direkt eingegeben werden, wie viel Karten dem Kasten zugeordnet werden sollen. Erweiterungen oder Löschungen werden dabei nicht ausgeschlossen.

Es stehen zwei Lernmöglichkeiten zur Verfügung. Man kann sich nämlich entweder die Vorderseite der Karte oder die Rückseite der Karte anzeigen lassen, was vor allem fürs Vokabellernen sinnvoll ist. In Form eines PDFs besteht auch hier die Möglichkeit einen Karteikasten auszudrucken.

Fazit: Hier ist zwar kein Austauschen der Karteikästen untereinander möglich, aber die Bedienung der Website ist sehr einfach und übersichtlich. Auch das Fächerprinzip ist gut dargestellt, so dass der Lernende immer sieht, wie viele Karten sich in den einzelnen Fächern befinden und so genau weiß, was heute noch zu tun ist. Auch hier wird für Interessierte eine Demo angeboten, um sich die Funktionsweise genauer anzusehen.

Mindpicnic logo

Mindpicnic

Mindpicnic zeigt sich als typisches Web 2.0 Angebot. Hier sind die Angebote nach Kursen geordnet, und neben Karteikarten finden sich hier auch Buchtipps, Weblinks, ganze Skripte und sogenannte Zettel, die kurz und bündig etwas erklären. Auf Mindpicnic stellt man jedem anderen Nutzer seine Karteikarten zur Verfügung, gegebenfalls kann man auch erlauben, dass andere diese veränden dürfen. Eine Anmeldung ist auch hier zwingen erforderlich. Man kann sich die vorhandenen Karteikarten zwar ansehen, wer jedoch nicht eingeloggt ist, kann weder welche erstellen oder lernen.

Mindpicnic

Mindpicnic bietet noch die Funktion sein Lernpensum zu planen. Des weiteren schätzt Mindpicnic immer ab, wie viel des Stoffes man schon kann und wie viel noch nicht. Mindpicnic bietet dafür keine Möglichkeit Karteikarten zu drucken oder sonst wie zu exportieren.

Fazit: Vor allem aufgrund der schon vorhandenen Inhalte ist Mindpicnic eher etwas für Studenten und Schüler kurz vor dem Abitur. Da Mindpicnic richtigen Community-Charakter besitzt, weiß man immer wer gerade was lernt und kann sich so auch zu Lerngruppen zusammenschließen. Für Volksschüler und Realschüler bzw. Schüler der Unterstufe Gymnasium ist hier eher wenig raus zu holen.

Als Gesamtfazit kann nur gesagt werden, dass die drei Projekte sehr gelungen sind. Vor allem Karteilernen.de ist für jüngere Schüler und Schülerinnen sinnvoll, die dann offline und online im 5-Fächer-System arbeiten wollen. Mindpicnic ist eher was für Studenten und Abiturienten. Lernkartei.de bietet sich an, wenn man seine Karteikarten mit anderen tauschen möchte.

  1. Daniel Sadilek schrieb:

    Hallo, bei Karteilernen.de kann man mittlerweile auch seine Karteikästen mit anderen tauschen.

  2. Thomas Rother schrieb:

    und wer moechte kann sich seine Karteikarten auch auf das Handy laden und dort nach dem selben Prinzip mit dem Vokabeltrainer TRVok weiter lernen.

  3. Jörg Fritzen schrieb:

    Hallo Melina, hallo Medienmami,

    vielen Dank für Deinen Artikel. Die Hinweise auf webbasiertes Karteikartenlernen – die auch noch kostenlos sind – hat mir bei meiner Suche weitergeholfen.

    Was mir noch fehlt, sind Hinweise auf Programme, die offline genutzt werden können – auch kostenpflichtige. Wie z. B. “Trainer in a Box”. Außer diesem habe ich noch nichts gefunden.

    Herzliche Grüße – Jörg Fritzen

  4. Jörg Fritzen schrieb:

    Hallo Melina, hallo Medienmami,

    ich habe einen weiteren online Karteikasten gefunden: http://www.ichlerneonline.de

    Herzliche Grüße – Jörg

  5. Tamim schrieb:

    Hi,
    Ich würde hier gerne http://www.Cobocards.com vorstellen.
    Auf der Website steht hier zu:

    Cobocards ist deine virtuelle Karteikarte. Du kannst sie ausdrucken und mitnehmen, sie immer wieder bearbeiten, die alten Versionen vergleichen, wissen wie gut du sie gelernt hast, Bilder einfügen, deinen Text farbig und fett machen, Formeln mit LaTeX einfügen, den Kartensatz Freunden online zeigen, eine Deadline für Klausuren setzen,…

    Viele Grüße
    Tamim

  6. Daniel schrieb:

    Eine weitere Ergänzung: http://www.ediscio.de/ , eine sehr coole Seite zum gemeinsamen Lernen mit Karteikarten. Man kann dort Lerngruppen bilden, verschiedene Abfragemethoden benutzen, hat eine intuitive Statistik beim längeren Lernen, kann natürlich auch LaTeX und Bilder benutzen, hat einen persönlichen Newsfeed über Ereignisse in den Lerngruppen, in denen man ist, u.s.w… bietet einiges. :-)

  7. Bianca schrieb:

    Hallo an alle!
    Hat von euch schon jemand Erfahrung mit Phase 6 ?
    Hab gehört, das soll auch gut sein.

  8. Monika schrieb:

    Ist die Nutzung von mindpicnic kostenpflichtig?

  9. Sarah schrieb:

    Hallo,
    zum Lernen mit Karteikarten für unterwegs ist MemoStep6 ,http://www.memostep6.com, eine interessante Alternative. Es bietet einen mobilen Vokabeltrainer für Handy und PocketPC an.

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