Cotta und Surkot

Meine edlen Freunde, nun ist es Zeit Euch passend einzukleiden. Darum will ich Euch zeigen, wie Ihr mit einfachsten Mitteln Euch ein schönes Gewand schneidern könnt.

Wir kümmern uns deshalb heute einmal um das Oberkleid, auch „Cotta“ genannt, und um das Überkleid, der „Surkot“. Der Name „Surkot“ stammt aus dem Französischen.
Im Mittelalter war die Cotta das am meisten getragene Kleidungsstück. Egal in welchem Stand oder ob man Mann oder Frau war, jeder trug sie.
Über der Cotta konnte auch ein weiteres Kleid getragen werden, der Surkot. Er weißt verschiedene Formen auf. So gibt es Darstellungen mit weiten, langen Ärmeln sowie auch welche ganz ohne Ärmel. Bei den Männern war der Surkot häufig auch im Schritt geschlitzt, um das Reiten zu erleichtern. Doch die grobe Form ist der, der Cotta sehr ähnlich, deswegen wollen wir uns auch mit der Cotta als erstes beschäftigen. Sie ist selbst für Nähanfänger gut geeignet, weil man nicht viel falsch machen kann.

Es sei an dieser Stelle gesagt, dass wir keine historisch korrekte Kopie einer Cotta oder sonst eines Kleidungsstückes anfertigen wollen, sondern mit einfachen Mitteln ein Gewand erstellen, das leicht und preiswert zu fertigen ist und historischen Vorbildern ähnlich sieht. Vorbild sind die Gewänder des 13. Jahrhunderts.
Ich empfehle mit der Nähmaschine zu arbeiten, da dies viel Zeit spart.

Da ich als Schwabe immer darauf bedacht bin, möglichst wenig Geld aus zu geben, nehme ich für das Oberkleid sehr gerne alte Bettlacken. Alternativ gibt es günstigen Nesselstoff auch bei Ikea. Wenn Ihr Stoff kauft, achtet darauf, dass er min. 1,5m in der Breite liegt und nicht aus Polyester oder anderen künstlichen Fäden besteht. Die Optik Eures Gewandes dankt es Euch. Ich färbe den Stoff nicht ein, sonder spiele gerne mit dem Farbkontrast zwischen Cotta und Surkot, spart wieder Arbeit und viel Sauerei ;-) . Wer möchte kann für seine Cotta aber auch einen farbigen Stoff nehmen.

Nun wollen wir uns dem Schnittmuster zu wenden:

Der Mittelteil (A) reicht bei den Damen von der Schulter bis zum Knöchel. Bei den Herren kommt es etwas darauf an. Wollt Ihr es unter Eurem Surkot tragen, dann empfehle ich das gleiche wie den Damen. Ansonsten reicht es auch aus, wenn Eure Cotta nur bis zu den Knien geht.
Für die Breite des Mittelteils (A) messt Euren Brustumfang und teilt ihn durch zwei.
Natürlich gebt IMMER 2cm Nahtzugabe dazu.
Jetzt könnt Ihr dies auf Eurem gewaschenen Stoff vorzeichnen. Wenn Ihr den Halsausschnitt einzeichnet, habt ihr viele Freiheiten. So könnt Ihr einen viereckigen, runden oder spitzen Ausschnitt wählen. Am einfachsten und gängigsten ist der runde Ausschnitt. Macht den Ausschnitt auf der Vorderseite größer als am Rücken.

Nun wollen wir uns den Geren (B) widmen. Auch hier habt Ihr wieder viel Gestaltungsspielraum. Die Breite der Geren hängt davon ab, wie viel Beinfreiheit Ihr haben möchtet. Bei bodenlangen Gewändern habe ich pro Gere eine Breite am Boden von etwa 30cm genommen und die Geren bei der Hüft beginnen lassen. Ihr könnt sie aber auch bis untern den Arm hochziehen. Das hängt davon ab, welcher Schnitt Euch besser gefällt.

Für Eure Ärmel (C) nehmt von Eurer Schulter bis auf den Handrücken maß um die Länge zu ermitteln. Dann messt den Umfang Eurer Hand und gebt noch etwas hinzu, teilt diesen Wert durch zwei und Ihr habt die Breite. Ihr könnt es aber auch gerne enger nähen und dann unten den Ärmel nachher ein Stück einschlitzen und mit einem Knopf verschließen.
Wie Ihr die Verschiedenen Teile aufzeichnen könnt soll Euch diese Grafik zeigen.
Wenn Ihr nun alles mit Nahtzugabe aufgezeichnet und ausgeschnitten habt, dann kommt jetzt der große Moment des zusammen Steckens. Sind alle Teile außer den Ärmeln mit Nadeln fixiert, probiert Euer Gewand einmal an um zu sehen ob es zu eng oder zu weit ist und passt gegebenenfalls die Nadeln an.
muster
Wenn alles stimmt, dann geht es jetzt ans Nähen.
Ich nähe immer erst eine Seite zusammen (auch hier wieder ohne Ärmel) und dann erst Vorer- auf Rückseite. Sitzt jetzt immer noch alles, dann näht die Ärmel zusammen und dann an Euer Gewand. Nun fehlt nur noch, dass Ihr die Ränder umnäht um einen schönen Saum zu haben und dann ist Euere Cotta auch schon fertig.

Nachdem wir jetzt unsere Cotta haben, wollen wir uns um den Surkot kümmern. Das Prinzip ist exakt das Gleiche. Nur könnt Ihr nun die Ärmel weglassen, kürzen und im Schritt schlitzen. Sehr gerne von Männern getragen, grade mit einem Wappen auf der Brust, weil dann hat man auch schon seinen Wappenrock.
Die Damen schlitzen bitte nicht Ihre Gewänder, es wäre etwas unpassend. Dafür spielen die Damen gerne mit den Ärmeln, so sind die so genannten „Trompetenärmel“ sehr beliebt.

Zu den Farben der Surkot sollte ich auch noch ein paar Worte verlieren. Bei Edelgewändern kommen kräftig leuchtende Farben zum Einsatz. So waren die beliebtesten Farben rot, gefolgt von blau und grün. Die teuersten Farben waren purpur (nur Hochadel und Klerus), scharlachrot und indigoblau. Der Adel trug auch gerne leuchtendes gelb. Hier ist zu beachten, dass es wirklich leuchtend ist, denn ein blasses gelb war die Farbe der Aussetzigen, wie z.B. Juden oder Prostituierten.
Bürger oder Bauern trugen hingegen gerne krapprot oder waidblau, da diese erschwinglich waren. Für die einfachen Gewänder lässt sich allgemein sagen, dass Naturtöne gut geeignet sind.

Nun habt Ihr einige Anhaltspunkte und ich wünsche Euch frohes Schaffen.
Beim nächsten mal, wollen wir uns um die Beinkleider des Mannes kümmern.

Mit ritterlichem Gruße
Euer Georg von Schilling

  1. Patricia Henkel-Schalwat schrieb:

    Ehrenwerter Herr Georg von Schilling,
    werte Interessierte!
    Das sieht schon super aus!
    Um eine bessere Beweglichkeit der Ärmel zu erreichen kann man unterm Arm in die Naht (Arm und Gewand treffen sich an der Seitennaht – die mittleren Ecken der Raute treffen genau auf diesen Punkt, so dass die Raute zur Hälfte den Ärmel und zur anderen Hälfte das Oberteil erweitert) eine Raute einsetzen (die ist historisch belegt)! Und die Damen, die ja keinen Reiterschlitz im Gewand haben können vorne und hinten auch noch Geren einsetzen, das gibt dem Gewand mehr Weite! Die Geren sollten den Fadenlauf in der Mitte haben, also nicht dort, wo sie am Gewand befestigt werden,so fällt der Stoff wesentlich schöner. Eine “Tütenbildung” kann vermieden werden, wenn der Saum der Gere mit einem Zirkel vom obersten Punkt gezogen wird – alternativ ein Maßband anlegen und eine Rundung ziehen! So sieht das Gewand nicht nur gut aus, es ist auch authentisch und gibt ausreichend Bewegungsfreiheit vom Spagat bis zur “Hampelfrau” ;-)
    Wenn ihr nun noch die sichtbaren Säume mit der Hand näht, dann kann Euch auf dem Markt auch kein “Authentizitätsliebhaber” an den Koffer p…… – ups – :-)
    Mit unterwürfigem Schneider- und Wäscherinnengruß
    Matija, die Kinderfrau

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